Dem Schulze sein
Komposthaufen

Der alte Schulze damals, schräg gegenüber der Hausnummer 13. Der hatte einen Komposthaufen. Links vorne im Vorgarten. Direkt neben dem Gartenzwerg. Der mit seinem ewig gleichen Grinsen. Meine Güte, auch schon wieder fast 30 Jahre her. Und jahrelang schleppte er seine Küchenabfälle dorthin. Tag für Tag. Zu jeder Jahreszeit. Der war ja auch sonst ein bisschen schrullig. Unser Öko, tuschelten wir immer hinter vorgehaltener Hand. Mit diesem Unterton, na ja, Sie wissen schon, wenn man einen nicht ganz ernst nimmt.

Heute weiß ich’s besser: Der alte Schulze hatte recht, so was von recht. Und ich lag falsch. Denn was in dem Schulze seinem Komposthaufen passierte, war keine Spinnerei. Es war Alchemie im Kleinen. Bananenschalen rein, etwas warten, und was kam dann raus? Richtig. Kompost. Deshalb heißt das auch Komposthaufen. Und den Kompost hat der alte Schulze dann auf seine Beete ausgebracht.

Und dort ging’s dann richtig los. Weil im alten Schulze seinem Garten haben sich über die Jahre unermüdlich fleißige Gartenhelfer eingenistet. Regenwürmer, Pilze, Mikroben und so. Ständig hungrig. Und der alte Schulze hat sie gefüttert. Mit den verrotteten Bananenschalen. Die haben all die Gartenhelfer gierig verschlungen. Klar, Arbeit macht hungrig. Das ist bei denen nicht anders als bei uns. Nur mit einem kleinen Unterschied. Denn der alte Schulze hatte für seine Gartenhelfer keine Toilette aufgestellt. Also blieb denen nichts anderes übrig als, na Sie wissen schon. Und was kam da hinten raus? Richtig. Humus.

Und heute ahne ich, der alte Schulze hatte noch ein Geheimnis. Denn im Humus, der aus den verrotteten Bananenschalen am Ende entstanden ist, speichert sich CO2. Genau genommen das C darin, also der Kohlenstoff. Und zwar reichlich. Mit jeder Tonne Humus werden der Atmosphäre zwei Tonnen Kohlendioxid entzogen. Und die darin enthaltenen 600 Kilogramm Kohlenstoff im Boden gebunden. Damit wird der auch wieder so richtig fruchtbar. Also zwei auf einen Streich, fast so wie beim tapferen Schneiderlein.

Damit komme ich zum Kohlendioxid. Ungute Sache. Denn wir blasen davon an die 33 Milliarden Tonnen in die Luft. Jedes Jahr. Da können wir noch so laut über Nachhaltigkeit reden. Es wird immer mehr. Unablässig. Kann man sich gar nicht vorstellen, diese riesigen Mengen.

Okay, ganz so schlimm ist die Sache nicht. Weil die Natur das auszugleichen versucht. Und einen großen Teil davon wieder rausfiltert aus der Luft. Über die Meere und die Pflanzenwelt. Alles paletti, meinen also die Optimisten. Mitnichten, meinen dagegen die Pessimisten. Es bleiben doch immer noch 12,5 Milliarden Tonnen da oben. Jedes Jahr. Haben sie berechnet. Und deshalb wird es immer wärmer, meinen sie, die Pessimisten.

Und gerade die letzten Tage beschleicht mich das untrügliche Gefühl, dass die Pessimisten am Ende recht haben könnten. Die 39 Grad kürzlich im Schatten machen mich etwas nachdenklich. Vielleicht ist es wirklich so, wie es dieser Tage öfter zu hören ist: Dass dieser Sommer der kühlste sein wird, den wir für den Rest unseres Lebens noch erleben. Also mehr Windräder und so. Im Sommer auch mehr Sonnenschirme.

Das wird aber wohl auch nicht mehr reichen, meinen die Pessimisten. Da ist schon zu viel von dem Zeug in der Luft. Das muss da wieder raus. Aber wohin damit? Und da haben sie sich an den alten Schulze erinnert. Der alte Schulze, was ein Fuchs. Denn er wusste das wohl doch schon damals. Und hat uns nichts gesagt. Kann ich ihm auch nicht verübeln. Wir mit unserem Kopfschütteln über den alten Öko…

Und die nächste Bananenschale, die Sie gleich in der Hand halten? Was wird die wohl bei Ihnen: Müll. Oder Gold?

Und was ich noch erwähnen wollte: Über die von mir gegründete Stiftung MutterBoden fördere ich Schülerprojekte an Schulen in sozial schwierigem Umfeld. Weil Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen sollte.

Gedanken am
frühen Morgen.

Bevor der Alltag
sie begräbt.

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